Lange Tradition

Lange Tradition

Wie archäologische Forschungen aus dem Jahr 2007 bestätigen, wird Bunzlauer Keramik bereits seit dem 15. Jahrhundert produziert. Es wurden Exponate aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert gefunden. Zu den Ausgrabungen gehörten auch solche, die mit Kobaltglasur überzogen waren. Eine Töpferzunft bestand hier seit mindestens 1543. Bereits 1473 gab es in Bunzlau fünf Töpfereien. 1612 brachte der Bürgermeister der Stadt das keramische Kobaltgefäß nach Prag. Legendär ist der aus Bad Muskau stammende Töpfermeister Johann Gottlieb Joppe, der sich 1751 in Bunzlau niederließ. Er schuf 1753 den lange Zeit als Wahrzeichen Bunzlaus geltenden, rund 600 Kilogramm schweren und 2,25 Meter hohen „Großen Topf“, der 1945 beim Einmarsch der Roten Armee zerstört wurde.  

Vom Braunzeug zum Pfauenauge

Zunächst wurde in Bunzlau nur das „alte Braunzeug“, Keramik für den persönlichen Gebrauch produziert. Doch schon im 17 Jahrhundert wurden die „Bunzeltippel“ in ganz Europa populär. Um die Bunzlauer Tonwaren attraktiver zu machen, bemühte man sich deren Verzierung zu verfeinern, zum Beispiel durch braune Emaille mit weißen Kappen. Um die Nachfrage auch international weiter anzukurbeln, wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Aussehen der Keramik revolutionär verändert. Damals entstand durch die neue Methode des „Schwämmelns“ das typische Pfauenauge in seinen unterschiedlichsten Variationen. Dabei werden die Tippel mit einem Muster versehen, das mit kleinen persischen Schwämmen aufgetragen wird. Diese Stempelmethode wird bis heute auch bei den vielen attraktiven modernen Dekors verwendet.

1938 gab es in Bunzlau noch acht Töpfereien und zwei Glashütten. 1897 wurde eine keramische Fachschule und 1930 eine schlesische Glasfachschule eröffnet.

Weltweite Nachfrage 

Mit den Zerstörungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges und der stalinistischen Vertreibung der Deutschen endete auch die deutsche Töpfertradition in Bunzlau, über die im heute polnischen Bunzlau ausführlich das städtische Keramikmuseum informiert. Es kamen teilweise selbst aus dem damaligen Ostpolen vertriebene Polen nach Bunzlau, die ebenfalls das Töpferhandwerk beherrschten. Einige der zum Kriegsende zerstörten deutschen Betriebe konnten sie wiederaufbauen und so die großartige Töpfertradition der Stadt fortführen. Heute ist die florierende Keramikproduktion von Dutzenden von teilweise weltweit exportierenden Manufakturen wieder der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Bunzlau und Umgebung.